SRF Regionaljurnal AG/SO  Donnerstag, 27.06.2019, 18:15 Uhr

«Eine Goldwing fährt sich wie ein Velo»

Die Grösse macht es aus. Der Spruch ist platt, bringt die Faszination Goldwing aber ziemlich passend auf den Punkt. Bei den grossen Honda-Maschinen mit ihren 6-Zylinder-Motoren, 1800 ccm Hubraum und einem Gewicht von rund 450 Kilogramm ist es tatsächlich die Grösse, die den Unterschied zu anderen Motorrädern ausmacht.

Die Goldwing sei das perfekte Reisemotorrad für lange Fahrten, sagt Louis Burgener: «Es ist zwar eine sehr grosse Maschine, man kann aber trotzdem sportlich damit fahren. Und weil die Goldwing perfekt austariert ist, fährt sie sich einfach wie ein Velo.» Man könne im Gegensatz zu anderen Töffs ohne Probleme 800 Kilometer fahren mit der Goldwing.


Eine Goldwing bietet ungewöhnlichen Komfort für ein Motorrad, mehr wie ein Auto der Mittelklasse. Neben Radio und Navigationssystem gibt es Sitz- und Lenkerheizung und diverse andere Ausstattung. Das Cockpit präsentiert sich entsprechend
gross. Die Leistung und das Gewicht machen es zudem möglich einen Anhänger anzukoppeln, so kann man mit viel Ausrüstung auf die Reise gehen.


Die Goldwing sei eine eigene Faszination, sind sich Hanspeter Lüdin und Louis Burgener einig, beide sind aktive Mitglieder im
Schweizer Goldwing Club. Burgener ist als Koordinator verantwortlich für das diesjährige Treffen in Brugg. Übers Wochenende erwartet er hier um die 450 Goldwing-Fahrerinnen und Fahrer. Lüdin ist als internationaler Repräsentant zuständigfür den Austausch mit anderen europäischen Goldwing Clubs. Die Goldwing-Fans kommen aus ganz Europa ans Treffen nach Brugg. Das Treffen hat am Donnerstagmorgen noch nicht offiziell begonnen, doch auf dem Campingplatz auf der Schachenwiese stehen schon erste Zelte und dazwischen Goldwings mit Nummernschilder aus Frankreich, Italien, England, etc. Neben emspeziellen Fahrgefühl mache die Internationalität wohl auch einen grossen Reiz an der Goldwing aus, denkt Hanspeter Lüdin.
Die europäische Vernetzung habe sich quasi beiläufig so entwickelt, vermutlich auch, weil die Goldwing halt ein Motorrad fürlängere Touren ist und somit Fahrten ins Ausland naheliegend sind. Die Goldwing-Fans sind denn auch fleissige Auslandfahrer. Zwischen April und September finden in fast allen 26 Ländern, die im europäischen Goldwing Verband organisiert sind, Treffen statt. Regelmässige Absprachen sorgen dafür, dass es keine Überschneidungen gibt. Von Frühling bis Herbst kann man also wochenlang mit der Goldwing quer durch Europa von einem Treffen zum nächsten fahren. Die meisten würden an 3-4 Treffen nacheinander gehen, es gebe aber immer auch mal wieder Leute, die 20 und mehr Treffen besuchen, so kämen schnell um die 50'000 Kilometer zusammen, sagt Koordinator Louis Burgener. Am Schweizer Treffen in Brugg wolle man den Teilnehmern das Land und die Region etwas näherbringen, dazu gibt es verschiedene vorgeplante Touren, welche die Goldwing Fahrer aus dem Ausland absolvieren können. Daneben möchte man auch der Bevölkerung die Faszination Goldwing etwas näher bringen, so gibt es am Freitag und am Samstag Parade-Fahrten durch Brugg.


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Bericht und Fotos von der Aargauer Zeitung

Höhepunkte des Internationalen Honda-Goldwing-Treffens bildeten die Lichter- und die Nationen-Parade.

«Du solltest auch so ein Viech montieren, Schatz», meint die Dame angesichts des Plüschbären hinten an der Honda Goldwing. Ob sie das wohl ernst meint? Der «Schatz» jedenfalls scheint wenig begeistert. «Sicher nicht», meint er.

Natürlich stehen beim Internationalen Goldwing-Treffen im Brugger Geissenschachen nicht Plüschtiere, sondern Motorräder im Vordergrund. Und die Fahnen im Zeltlager und die Wimpel an den Maschinen zeigen, dass Goldwing-Fahrerinnen und -Fahrer aus beinahe allen Ländern Europas dem Ruf des Goldwing Clubs Schweiz nach Brugg gefolgt sind.

 

Im Schatten eines Baumes haben auch Maureen und John Hindhaugh ihr Zelt aufgeschlagen. Sie sind mit ihrer Goldwing Modell 1981 mit Seitenwagen aus den britischen Midlands nach Brugg gekommen. «Meine Maschine hat bloss 1100 Kubikzentimeter Hubraum», sagt John. «Moderne Goldwings haben 1500 oder gar 1800 Kubikzentimeter Hubraum.» Maureen meint: «Wir brauchen kein Sportmotorrad. Die Goldwing ist sehr bequem. Und wir haben es gemütlich genommen. Wir haben zwei Wochen für den Besuch des Treffens reserviert.»

Das Ehepaar ist nicht zum ersten Mal bei einem Goldwing-Treffen in der Schweiz. John hebt die Plane über dem Seitenwagen an, zeigt auf eine kleine Kuhglocke und sagt: «Die haben wir 1985 beim Treffen in Zug erhalten – für die weiteste Anreise.»

Im Zeltlager und im Festzelt geht es am Samstagnachmittag vor dem Start zur Nationen-Parade entspannt zu und her. Alte Bekanntschaften werden aufgefrischt. Neue geknüpft. Zeit auch, die mächtigen Maschinen mit ihren Sechs-Zylinder-Motoren – «Downsizing» ist da offensichtlich kein Thema – den ausladenden Verschalungen und den Audioanlagen zu bestaunen. Viele Goldwing-Besitzer haben ihre Maschinen zusätzlich individualisiert. Sei das mit einem Airbrush-Kunstwerk oder bloss mit einem speziellen Getränke- oder Rückspiegelhalter.

 

 

Nationen-Parade als Höhepunkt

«Das sind zwei ganz verschiedene Welten», sagt ein Schweizer Goldwing-Fahrer auf die – angesichts der Hitze entschuldbare – Frage, weshalb er denn dieses Motorrad fahre und nicht beispielsweise eine Maschine der andern Kultmarke – derjenigen aus Milwaukee. «Die Goldwing ist eine perfekte Reisemaschine», erklärt er und schwärmt von seinen Reisen durch Europa. Langsam beginnt vor der Tribüne die Aufstellung für die Nationen-Parade, einer der Höhepunkte des Treffens. Mit etwas Verspätung – man will offenbar auf einen Postauto-Kurs Rücksicht nehmen – wird gestartet. Abgesehen von den Hupen in den verschiedensten Tonlagen setzt sich der Konvoi erstaunlich leise in Bewegung. Auch das ist ein Merkmal der Goldwing.

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